In der Zeitschrift brandeins, Ausgabe 9/2008 ist ein sehr interessanter Artikel von Wolf Lotter, Die neue Leistung, erschienen, der das Problem der Leistungsbeurteilung von Wissensarbeitern diskutiert. Wir stecken hier sozusagen immer noch im Tayloristischen Zeitalter fest, in dem die Leistung eines jeden Arbeiters an der Stückzahl hergestellter Teile bemessen wurde. Heutzutage sind die Ergebnisse von Wissensarbeitern meist nicht von Anfang an klar definiert und in physikalischen Einheiten messbar, sondern der Nutzen der Resultate ist, was zählt. Da der Nutzen als wichtiger Output an sich aber nur schwer quantifizierbar ist, erfolgt der Rückfall auf den Input: Anzahl geleisteter Stunden, oder noch besser Überstunden. Dabei sollte der Mitarbeiter auch einen gestressten Eindruck hinterlassen, damit auch wirklich klar ist, für dieses Ergebnis musste er richtig schuften – tolle Leistung, toller Einsatz. Wer dann noch immer genau an den Tagen abends länger bleibt, an denen der Chef auch nachsitzen muss, für den ist die Konzernkarriere fast schon sicher. Aber nur so lange es den Konzern auch gibt, was bei der heutigen Fusionitis auch nicht mehr so sicher ist wie es auch schon war.

Interessant ist die Argumentation von Wolf Lotter, dass die Lust an Leistung genau bei denen am grössten ist, die eben nicht von Vorgesetzten beurteilt oder bemessen werden – Unternehmer, Selbständige oder Künstler. Dies sind alles Schaffende, die in der Regel allein von ihren Kunden nach dem wirklich erbrachten Nutzen beurteilt werden. Keine Politik, keine Kraftvergeudung für konzerninternes Karrieregerangel – alle Energie in den Kundennutzen. Vielleicht ist die zunehmende Ineffektivität in der Wissensarbeit irgendwann das Gift, an dem Grosskonzerne wie seekranke Dinosaurier zu taumeln beginnen.

Viel Spass beim lesen wünscht Ihnen

der wissensarbeiter

Eine Antwort »

  1. robertkana sagt:

    danke!

    es handelt sich bei wissensarbeiterInnen um einen „leistungstypen“, den atkinson 1975 und mcclelland 1971 identifiziert haben: der erfolgsmotivierte leistungstyp (im gegensatz zum misserfolgsorientierten leistungstyp). die motivationen des erfolgsmotivierten leistungstypen sind:
    betonung persönlicher verantwortung
    kalkuliertes risiko und innovationsmöglichkeiten
    anerkennung und belohnung guter leistung (als rasches feedback)
    mitgliedschaft in einem erfolgreichen team
    schwache strukturierung und formalisierung

    das ist das, was wissensarbeiterInnen kennzeichnet und produktiv macht. die konzentration auf die sache (die inhalte!) ermöglicht den erfolg. ich sehe es auch so, dass nicht wenige unternehmen als machtapparate organisiert sind, in denen kontrolle wichtiger wird (ist), als der erfolg.

    lg robert kana

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