Am vergangenen Sonntag (1.02.2009) haben bei Anne Will wieder einmal die Betroffenen einer Reihe ahnungsloser Poltiker gegenübergesessen. Diskutiert wurde die schlechte Behandlung von Mitarbeitern bei deutschen Lebensmitteldiscountern. Diese Situation ist selbstverständlich bedenklich und äusserst beschämend für einige dieser Unternehmen – keine Frage. Die Diskussion führte aber leider wie so oft nur in die immer wieder gleiche Richtung: wie können wir die bösen Unternehmen besser kontrollieren und die leidtragenden Arbeitnehmer besser schützen.

Dabei gibt es für Arbeitnehmer schon seit langer Zeit nur eine Devise: genügend Alternativen haben. Schlecht ausgebildete Arbeitnehmer oder Akademiker, die es sich in der Routinearbeit bequem gemacht haben, haben natürlich kaum Alternativen die Arbeitstelle zu wechseln. In einer Studie des Montreal Knowledge City Advisory Committee aus dem Jahre 2003  geht auf Seite 35 hervor, dass Wissensarbeiter Regionen bevorzugen, die vor allem stimulating jobs and potential for lateral moves bieten. Interessante, abwechslungsreiche Arbeit und attraktive Arbeitgeber halten die Möglichkeit offen, die Stelle zu wechseln. Das eine hilft am Ball zu bleiben und nicht einzurosten, das andere bewirkt ein Werben der Arbeitgeber um die besten Köpfe. Der sektorielle Strukturwandel – und dabei eben besonders der sogenannte metasektorielle Strukturwandel – bietet eben Chancen für die einen und Gefahren für die anderen, je nach Beitrag zur Wertschöpfung.

Die Botschaft der Diskussion bei Anne Will an das deutsche Volk hätte lauten müssen: liebe Bürgerinnen und Bürger dieses Landes, werdet Wissensarbeiter, bemüht euch um eure Weiterbildung, sucht im Job die Herausforderung und nicht das bequeme Leben – dann können euch die Discounter auch mit noch so fiesen Tricks nichts anhaben. Für diejenigen, die dies nicht erreichen, muss der Staat für Recht und Ordnung sorgen – aber nicht einmal das bringen die Politiker fertig. Im deutschen Arbeitsgesetz reicht es offensichtlich aus, eine Kassiererin des Diebstahls von EUR 1.30 zu verdächtigen, um eine Kündigung zu rechtfertigen. Die Betonung liegt hier auf „verdächtigen“. Fazit: Diejenigen, die die Wirtschaft voranbringen könnten, kann die Politik kaum motivieren. Diejenigen, die auf ihre Hilfe angewiesen sind, lässt sie im Stich.

der wissensarbeiter

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  1. Marc Bächinger sagt:

    Lieber Wissensarbeiter

    > liebe Bürgerinnen und Bürger dieses Landes,
    > werdet Wissensarbeiter, bemüht euch um eure
    > Weiterbildung, sucht im Job die Herausforderung
    > und nicht das bequeme Leben

    Ist das nicht ein wenig zynisch, das im Zusammenhang mit z.B. Kassiererinnen von Aldi zu sagen. Dem ist für qualifizierte Mitarbeiter des primären Arbeitsmarktes nicht hinzuzufügen. Für kemanden, der aber im sekundären Arbeitsmarkt tätig ist, schlecht bezahlt, ohne Aufstiegschance, mit hohe Fluktation, vom Alltag durch finanzielle Nöte drangsaliert und oft neben der Berufsarbeit auch noch mit familiären Pflichten und Problemen bedacht, muss dieser Ruf schon wie Hohn klingen (ich glaube nicht, dass der Wissenarbeiter das mit dem ‚bequemen Leben‘ verwechelt).

    Ich denke, es gilt hier schon klar zu differenzieren und vor dem Hintergrund, dass eine Gesellschaft ein Spekturm von Tätigkeiten zu bestellen hat, das vom Hochschulprofessor bis zum Kanalarbeiter reicht, kann diese Forderung nur sehr geringe Universalität gewinnen und muss sich vielleicht gar bezichtigen lassen, ausbeuterische Praktiken gutzuheissen.

    • wissensarbeiter sagt:

      Das ist ganz und gar nicht zynisch gemeint. Es ist klar, dass nicht alle Menschen Wissensarbeiter werden können. Dennoch möchte ich betonen, dass eben Wissensarbeiter eine wesentlich geringere Abhängigkeit vom aktuellen Arbeitgeber haben und jeder, der die Chance dazu hat, sollte diese nutzen. Wer sie nicht nutzen kann, und da gebe ich Dir natürlich Recht, dem muss der Staat helfen, um zum Beispiel auch einer Kassiererin bei einem Discounter ein faires Angestelltenverhältnis zu ermöglichen.
      der wissensarbeiter

  2. […] Meine Erfahrung ist eher, dass es schon immer Unternehmen gab, die viel in ihre Mitarbeiter investiert haben und solche, die das nicht tun. Entscheidend ist für jeden Mitarbeiter, inwieweit er sein Wissen und damit seinen Marktwert ausschliesslich nach innen gerichtet entwickelt, also um im aktuellen Unternehmen Karriere zu machen. Dies führt nicht selten zu Sackgassenkarrieren, die über 50 auch ganz schnell in die Dauerarbeitslosigkeit führen können. Arbeitnehmer sollten immer Alternativen haben. […]

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