In der Ausgabe 11/2009 der Zeitschrift brandeins beschreibt Jens Bergmann, wie die Firma Gore bereits seit über 50 Jahren die wichtigsten  Grundprinzipien von Enterprise 2.0 äusserst erfolgreich anwendet:

  • Flache Hierarchien, Selbstorganisation und Partizipation
  • Führung wird zunehmend wichtiger als direkte Kontrolle mit Loyalität und Vertrauen als Grundlage

Bei Gore werkelt eine Gemeinschaft sich selbst organisierender Problemlöser – man könnte auch Wissensarbeiter sagen –  sehr erfolgreich vor sich hin. Mitarbeiter können eigene Projekte initiieren, die durchaus auf den ersten Blick auch wenig erfolgsversprechend aussehen können. Der Erfolg gibt dem Unternehmen die notwendige Geduld. Und der Erfolg wird ausschliesslich nur am Beitrag zum Ganzen, dem Unternehmenserfolg, gemessen. Durch Beteiligung aller Mitarbeiter am Unternehmen und einer tief verwurzelten Unternehmenskultur, in der jeder seine Talente so gut als möglich nutzen soll, haben die Mitarbeiter automatisch nur ein Interesse: den bestmöglichen persönlichen Beitrag zum Unternehmenserfolg zu leisten.

Selbstorganisation in Projektteams und in informellen Netzwerken setzt natürlich eine intensive Kommunikation voraus. Wenn dies bei Gore überhand nimmt – als Informatiker würde man sagen, wenn das Ganze nicht mehr skaliert – gründet Gore einfach wieder ein neues Werk.

In Grossfirmen kann sich  diese Kultur kaum verbreiten. Doch manchmal entwickeln sich Projektteams, in denen wirklich nur zählt, was jeder kann, die von einer Idee beseelt, vom direkten Vorgesetzten beschützt und vom Top-Management ignoriert, plötzlich Innovationen hervorbringen. Meist klopft sich dann das Top-Management gegenseitig auf die Schultern und ist stolz darauf, dass unter ihrer Führung bzw. Kontrolle so etwas gelingt. Dabei konnte die Idee nur reifen, weil sie eben nicht vom ersten Tag schon unter stringenter Beobachtung stand und das Team in monatlichen oder wöchentlichen Statusmeetings den Business Case beweisen musste. Solange diese Fehleinschätzung allerdings anhält, wird kaum jemand vom Top-Management daran denken, sich über Enterprise 2.0 Gedanken zu machen. Der Erfolg macht eben oft auch blind für die wahren Gründe des Erfolgs.

Misserfolg ist oft ein wesentlich besserer Lehrmeister. Auch dies ist bei Gore explizit erwünscht.

Wann haben Sie das letzte Mal Ihrem Chef stolz von einem Misserfolg und der daraus gewonnenen Erkenntnis berichtet?

Viel Spass beim Lesen und Nachdenken wünscht

der wissensarbeiter

Eine Antwort »

  1. […] erfolgreich Firmen mit einer Fehlerkultur sein können, darüber habe ich bereits vor einiger Zeit am Beispiel der Firma Gore geschrieben. Auch wenn wir die Wissenschaft mit ihren falschen Anreizsystemen nicht produktiver machen können, […]

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