Zu dem oft anzutreffenden Fehler, dass Wissensarbeiter immaterielle Dinge entwickeln oder gar produzieren (siehe auch Blogeintrag Menschenführung in der Wissensarbeit) habe ich einen interessanten Artikel in der New York Times gefunden:  The Case for Working with Hands von Matthew B. Crawford.

Crawford beschreibt, wie sehr stupide Büroarbeit – also Routinearbeit mit der Bearbeitung immaterieller Dinge – mittlerweile verbreitet ist und gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten durch Outsourcing in Billiglohnländer alles andere als sicher ist. Ganz im Gegenteil dazu Handwerksberufe, die sich auf besondere Problemfälle spezialisiert haben:

„Because the work is dirty, many people assume it is also stupid. This is not my experience. I have a small business as a motorcycle mechanic in Richmond, Va., which I started in 2002. I work on Japanese and European motorcycles, mostly older bikes with some “vintage” cachet that makes people willing to spend money on them. I have found the satisfactions of the work to be very much bound up with the intellectual challenges it presents“.

Die Reparatur kann ein komplexes Abwägen vieler sich widersprechender Anforderungen sein:

Imagine you’re trying to figure out why a bike won’t start. The fasteners holding the engine covers on 1970s-era Hondas are Phillips head, and they are almost always rounded out and corroded. Do you really want to check the condition of the starter clutch if each of eight screws will need to be drilled out and extracted, risking damage to the engine case? Such impediments have to be taken into account. The attractiveness of any hypothesis is determined in part by physical circumstances that have no logical connection to the diagnostic problem at hand. The mechanic’s proper response to the situation cannot be anticipated by a set of rules or algorithms„.

Some diagnostic situations contain a lot of variables. Any given symptom may have several possible causes, and further, these causes may interact with one another and therefore be difficult to isolate. In deciding how to proceed, there often comes a point where you have to step back and get a larger gestalt„.

Der Mechaniker nutzt also sein Wissen um trotz der Komplexität der Anforderungen schrittweise eine Lösung zu finden. Er ist Wissensarbeiter in Reinkultur – trotz schmutziger Finger und jede Menge materieller Dinge, mit denen er arbeitet. Dagegen ist ein Call-Center Agent im klimatisierten Cubicle, dem von einem regelbasierten Wissensmanagementsystem zur Beantwortung der Fragen des Kunden jegliche Denkarbeit abgenommen wird, ein in der Routinearbeit gefangener Informationssoldat – trotz sauberer Fingernägel.

der wissensarbeiter

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  1. […] Die hochwertige Wissensarbeit im Büro und die dumme schmutzige Arbeit. Über ein Gegenbeispiel zu diesen Stereotypen schreibt Jörg Dirbach im Wissensarbeiter-Weblog: Sind Zweiradmechaniker Wissensarbeiter? […]

  2. wissensarbeiter sagt:

    Danke für die Erwähnung meines Blogs als Lesetipp.

  3. […] dutzendfach zubereitet, muss das als Routinearbeit organisiert sein, da es sonst unbezahlbar wäre. Ein ähnliches Beispiel ist der Zweiradmechaniker, der Oldtimermotorräder repariert. Klar, dass auch Angestellte in der Werkstatt Wissensarbeiter sein können, wenn sie sich zum […]

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