In der heutigen Ausgabe der Welt Online schlagen die Therapeuten Alarm: Immer mehr Menschen leiden zunehmend unter psychischen Erkrankungen aufgrund ihrer Jobs. Besonders interessant ist der Unterschied zwischen (einfachen) Dienstleistungsberufen und Berufen mit körperlicher Arbeit:

„Ein weiterer Grund für die Zunahme sei aber spezifische Belastungen in der modernen Arbeitswelt: So entwickeln Erwerbstätige bei einer Kombination aus hohen Anforderungen einerseits und geringem Einfluss auf den Arbeitsprozess andererseits überdurchschnittlich häufig psychische Erkrankungen“.

Vor allem bei den einfachen Dienstleistungen wie z.B. die Arbeit in Callcentern sieht es schlecht aus. Ganz anders dagegen Berufe mit körperlicher Arbeit:

„Dagegen sei der Anteil der psychischen Erkrankungen am Krankenstand in klassischen Arbeiterberufen, wie beispielsweise in der Land- und Forstwirtschaft oder im Baugewerbe ein Drittel bis um die Hälfte niedriger als im Durchschnitt aller Erwerbstätigen“.

Als ein entscheidender Faktor wird der Einfluss auf den Arbeitsprozess genannt. Zwar sind auch in der Landwirtschaft oder auf dem Bau viele Arbeitsprozesse grob festgelegt, aber im Detail kann doch der Arbeiter gewisse Dinge individuell gestalten. Zudem treffen z.B. auf dem Bau immer wieder Problemstellungen zu Tage, die einer kurzen Überlegung oder gar Diskussion mit Kollegen bedürfen.

Meine Erkenntnis daraus: Problemlösendes Arbeiten, zumindest hin und wieder und wenngleich auch nur mit wenigen Freiheitsgraden, hält die Menschen psychisch gesund und motiviert. Die körperlichen Anstrengungen können natürlich dennoch zu Schäden führen, aber das ist hier nicht das Thema. Die Taylorisierung in Callcentern zur Maximierung der Effizienz ist ein Relikt der frühen Industrialisierung. Arbeitsteilung in Verbindung mit Routinearbeit ohne Rücksicht auf die kognitiven Ansprüche der arbeitenden Personen war schon vor 200 Jahren das Mittel Nummer 1 zur Produktivtätssteigerung.

der wissensarbeiter

Eine Antwort »

  1. 40stunden sagt:

    Ich sehe eher die Abgeschlossenheit der Tätigkeit als psychischen Vorteil der Landwirtschaft und Bauwirtschaft an.

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