Im Jahre 2008 hat das Deutsche Institut für Wirtschaftforschung (DIW) einen Bericht veröffentlicht, in dem bis 2025 kein Arbeitskräftemangel vorausgesagt wurde. Einwanderung, Rente erst ab 67 sowie die zunehmende Erwerbstätigkeit von Frauen soll den demographischen Wandel ausgleichen.

Eine Studie der Prognos AG zur Arbeitslandschaft 2030 kommt zu einem ganz anderen Ergebnis. 2015 werden Deutschland 3 Millionen Arbeitskräfte fehlen, darunter besonders die Hochqualifizierten. Der Bedarf an Hochqualifizierten ist gemäss dieser Prognose noch gestiegen, da die Krise den Strukturwandel beschleunigt hat. Strukturwandel in der westlichen Wissensgesellschaft heisst immer Automatisierung oder Auslagerung von einfachen Arbeiten und Investition in Wissens-intensive Tätigkeiten.

Auch eine Studie von McKinsey kommt zu einem ähnlichen Ergebnis, wenngleich deren Schätzung auch tiefer liegt. Bis 2020 steige die Zahl der fehlenden Arbeitskräfte auf 2 Millionen.

Wenn man mal einen Blick in die Studie des Statistischen Bundesamtes Bevölkerung Deutschlands bis 2050 wirft, erkennt man sehr schnell, warum der prognostizierte Arbeitskräftemangel ziemlich sicher eintreten wird. Untenstehende Grafik, die dieser Studie entnommen ist, zeigt wie der Anteil der Erwerbsfähigen der 30 bis 49-Jährigen von 2007 an rapide abnimmt bei gleichzeitigem starkem Anstieg der über 50-Jährigen.

Auch wenn es zu begrüssen wäre, dass immer mehr 50 bis 65-Jährige im Arbeitsprozess bleiben, so sieht die Realität doch leider völlig anders aus. Um wirklich bis deutlich über 60 im Arbeitsleben bestehen zu können benötigt es permanente Weiterbildung, besonders in wissensintensiven Berufen. Leider haben die vergangenen Wirtschaftskrisen sowie der Kostendruck seit vielen Jahren dazu geführt, dass die Unternehmen hier besonders sparsam sind. Auch hier hilft ein Bericht des statistischen Bundesamtes aus dem Jahr 2007 zu den Bildungsanstrengungen der Unternehmen im Jahr 2005. Im Schnitt konnten die Mitarbeiter von 10000 befragten Unternehmen gerade mal 0.58% ihrer Arbeitszeit für Weiterbildung einsetzen. Bei 1650 Arbeitsstunden pro Jahr macht das gerade mal 9.6 Stunden aus.

Die deutsche Wirtschaft läuft wieder sehr gut, aber eben auch aufgrund sehr starker Lohnzurückhaltung und auch durch die seit vielen Jahren vorgenommenen Einsparungen bei der Weiterbildung der Mitarbeiter. Lebenslanges Lernen – gerade für Wissensarbeiter ein absolutes Muss – sollte von den Unternehmen auch intensiv unterstützt und gefordert werden. Sonst bedeutet der Anstieg der über 50-Jährigen in der erwerbsfähigen  Bevölkerung nur ein Anstieg der Arbeitslosen und Hartz IV Empfänger.

der wissensarbeiter

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  1. Ueli Brawand sagt:

    Eine sehr interessante Zusammenstellung. Nur was bedeutet das für jeden einzelnen? Ist Leben-langes-lernen (LLL)die Antwort darauf?
    Was ist mit denen, die lernschwach sind oder das Elternhaus sie nicht auf das LLL vorbereitet hat? Sind dies die Harz-IV-Empfänger von morgen?

    Deutschland darf sicher nicht alleine betrachtet werden. In Zeiten der Globalisierung ist Europa als Ganzes anzuschauen.
    Hast du dazu auch Studienergebnisse?

  2. […] Artikel vom 19.08.2010 habe ich einige Quellen zusammengestellt, die prognostizieren, wie stark  sich zukünftig der […]

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