Das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) hat in der Studie Information Work 2009 die drei wichtigen Aspekte für Wissensarbeit beschrieben: Neuartigkeit, Komplexität und Autonomie. Die Einteilung der Wissensarbeiter in vier Kategorien A-D finde ich zwar nachvollziehbar, sie geben aber keine vernünftige Antwort auf die Frage, wer denn nun ein Wissensarbeiter ist und wer nur Routinearbeiter. Auch wenn man die Studie nicht besitzt, all das ist sehr schön zusammengefasst in einem Blogeintrag von  Jan-Philipp Sonnenberg auf smartworkers nachzulesen.Ich bin der festen Überzeugung, dass das wichtigste und einzig relevante Mass die Wissenslücke zu Beginn einer Aufgabe darstellt. Nur diese macht eine Aussage, ob man eher Routinearbeiter (Typ A) oder Wissensarbeiter (Typ B – D) ist. Der Mitarbeiter einer Hamburger-Kette ist am ersten Arbeitstag ebenfalls ein Wissensarbeiter, da er sehr viele Abläufe neu lernen muss – wie er Hamburger zusammensetzt, wo er welche Getränke findet oder wie er das Kassenterminal bedient. Natürlich wird der neue Mitarbeiter sehr schnell zum nahezu einhundertprozentigen Routinearbeiter, da alle Prozesse auf Effizienz mit immer gleichen wiederholbaren Abläufen ausgelegt sind. Auch ein Softwareentwickler, der die zehnte Waschmaschinensteuerung ohne grosse Neuerungen in Technologie oder Komplexität der Steuerungsverfahren entwickelt, wird auch einen recht hohen Grad an Routinearbeit verspüren und wahrscheinlich mit Wehmut an die Zeit zurückdenken, als er die erste Steuerung entwickeln durfte.

Die Typen B – D zeigen auch, dass fast niemand ausschliesslich Routinearbeiter oder Wissensarbeiter ist. Die Anteile an Routinearbeit und Wissensarbeit schwanken von Aufgabe zu Aufgabe. Entscheidend ist es, im Verlaufe einer Berufslaufbahn, nicht zu lange in Jobs mit hohem Routineanteil zu verharren. Das lähmt irgendwann unser Gehirn und problemlösendes Denken wird dann zum echten Problem.

der wissensarbeiter

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  1. Oh, ich dachte, Wissensarbeiter sind diejenigen, die Wissen verarbeiten. Wissen als Rohstoff einkaufen (z.B. Marketing-Ideen, Requirements, etc.), umwandeln (z.B. programmieren) und als neues Wissen (z.B. Software) wieder verkaufen.

    Ist das nicht immer noch so, selbst wenn ich das zum 10. Mal mache?

  2. wissensarbeiter sagt:

    Wenn Sie die Lösung eines Problems direkt aus dem Gedächtnis abrufen können, ist es keine Wissensarbeit. Ein Koch, der am Abend das Gericht 50 mal kocht macht Routinearbeit. An dem Tag, an dem er ein neues Gericht kreiert – wir können auch sagen entwickelt – ist er als Wissensarbeiter tätig. Er löst ein Problem und muss sich je nach Wissensstand über Zutaten, Zubereitungsverfahren usw. iterativ an das gewünschte Ergebnis „herantasten“. Die Wissenslücke ist das wichtigste Merkmal. Es gibt Autoren wie Klaus North, die die immateriellen Arbeitergebnisse als wesentliches Merkmal für Wissensarbeit bezeichnen. Dann ist aber ein Chirurg, der eine schwierige Operation durchführt, kein Wissensarbeiter mehr. Und das passt mit den Kategorien aus der kognitiven Psychologie (Problem – Aufgabe) sowie den in vielen wissenschaftlichen Arbeiten verwendeten Definitionen nicht zusammen. Siehe auch die Dissertation von Gerhard Hube – finden Sie auch in meinem Blog.

    der wissensarbeiter

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