Ein Artikel im KM-Journal von Manfred Kofranek mit dem Titel Wissensarbeit – die Herausforderung für die Wirtschaftspolitik fasst in ausgezeichneter Form die aktuelle Problematik in Organisationen und Gesellschaft zusammen. Zuerst einmal geht Manfred Kofranek auf die nach wie vor unscharfe Abrenzung des Begrifft Wissensarbeit im allgemeinen Sprachgebrauch ein. Wobei der vierte Punkt in der Definition eigentlich alles klar macht und genau der Definition entspricht, die auch ich als die nützlichste und wichtigste von allen ansehe:

Wissensarbeiter arbeiten zumeist problembezogen. Sie finden neuartige Lösungen für bekannte Probleme und/oder behandeln bislang unbekannte Fragestellungen. Dafür benötigen sie eine erhöhte Problemlösungskompetenz und die Fähigkeit, mit Komplexität umzugehen. Es kann aber durchaus auch bei Wissensarbeit der Fall eintreten, dass ein Problem als solches noch gar nicht erkannt oder definiert wäre. Gerade in kreativen und explorativen Bereichen wird der Problemraum erst durch die Arbeit erschlossen.“

Die wichtigsten Aspekte sind alle enthalten und ich habe diese fett markiert. Eine sehr gute Definition!

Um die Problematik mit Wissensarbeit in Gesellschaft und Organisationen aufzuarbeiten, diskutiert der Autor die folgenden vier Fragen:

  • Unter welchen Bedingungen findet Wissensarbeit statt?
  • Was sind die Hauptinteressen von Wissensarbeitern?
  • Wie gehen Organisationen mit Wissensarbeitern um?
  • Wie gehen Politik und Gesellschaft mit Wissensarbeit um?

Dabei betrachtet Manfred Kofranek diese Fragen aus der Perspektive der Wissensarbeiter, der Organisation und der Gesellschaft. Klar wird dabei, dass der Wert von Wissensarbeit weder in der Gesellschaft bzw. Politik, noch in vielen Organisationen angekommen ist. Beispiele dazu:

  • Viele Wissensarbeiter arbeiten lieber als Selbständige als innerhalb der Fesseln von grossen Organisationen
  • Organisationen legen zu viel Wert auf Effizienz und haben Mühe mit der Ungewissheit von Ergebnissen, die aber für anspruchsvolle Wissensarbeit typisch ist
  • Das Bildungswesen ist immer noch stark auf Bildungsabschlüsse fixiert.

Meine Anmerkung hierzu ist, dass weder in der Schule noch in den Hochschulen die in der obigen Definition so wichtige Problemlösekompetenz sowie der Umgang mit Komplexität optimal vermittelt wird. Unsere Kinder werden immer noch zu Auswendiglernern erzogen – viel Stoff, wenig Zusammenhänge, einfache Fragen in Prüfungen ohne Zeit zum Nachdenken. Solche Prüfungen sind natürlich einfach zu korrigieren. Mir scheint, als ob unser Bildungsystem ebenfalls wie viele Organisationen unter einem Effizienzdruck steht, der effektives Vermitteln von Wissensarbeit nicht zulässt. 

Aber nur, wenn wir uns in der Gesellschaft, der Wirtschaft sowie im Bildungswesen aus der Effizienzfalle befreien, können wir den Wohlstand in der westlichen Welt aufrecht erhalten.

der wissensarbeiter

Eine Antwort »

  1. […] Interessant ist es nun, Zusammenhänge zwischen den sechs Aspekten herzustellen. Den meiner Meinung nach wichtigsten Zusammenhang ist das Dilemma der Aspekte Fragmentierung der Wissensarbeit (2) bei gleichzeitiger notwendiger Zunahme von Flexibilität (3). Fragmentierung erzeugt Komplexität und Komplexität ist der Feind von Flexiblität. Wenn die Wertschöpfung in starren Prozessen in einer global verteilten Organisationsstruktur erbracht wird, mag das zu einem bestimmten Zeitpunkt sehr effizient sein. Der Nachteil sind die durch den hohen Spezialisierungsgrad verursachten Wissensinseln (5) sowie die dadurch verursachte schlechte Flexibilität. Die Anpassungsfähigkeit an Veränderungen bei den Mitarbeitern sowie der Organisation ist dadurch sehr schlecht ausgebildet. Solche Unternehmen befinden sich dann meist in der Effizienzfalle. Das dies nicht nur ein Problem der Unternehmen ist, sondern auch gesellschaftliche Relevanz hat, habe ich b…. […]

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