Gerade ging eine interessante Diskussion über das Phänomen Aldi bei Günther Jauch in der ARD zu Ende. Besonders Dieter Brandes fand ich interessant, der das Geschäftsmodell als hoch effizient beschreibt: kleines Produktsortiment, hoher Durchsatz, auf höchste Effizienz getrimmte Prozesse, Kontrolle als wichtiges und gutes Instrument. Klingt irgendwie, als ob Henry Ford die Produktion seines Autos Ford T beschriebe. Warum funktioniert so ein System heute noch – im Zeitalter der Wissensgesellschaft?

Ich erkenne hier vier wichtige Eigenschaften:

  1. Vergleichbarkeit der Produkte: Die Produkte sind die gleichen Markenprodukte wie bei anderen Händlern oder Eigenmarkenprodukte, die eine für den Verbraucher ausreichende Qualität bieten.
  2. Preisführerschaft: wenn für den Verbraucher klar ist, dass er das gleiche Produkt etwas preisgünstiger bekommt, spielen viele andere Faktoren wie attraktive Auslage oder schöne Verpackung keine Rolle mehr.
  3. Geringst mögliche Variabilität: ein Command-and-Control System mit minimaler Variabilität bzgl . der Produkte und Prozesse sowie der Aufgaben im Unternehmen ermöglicht höchste Effizienz. Der Grossteil der Arbeiten sind sich ständig wiederholende Routinearbeiten.
  4. Ausspielen der Marktmacht gegenüber Lieferanten: durch die hohen Umsätze können die Margen der Lieferanten auf ein Minimum gedrückt werden und so werden die niedrigen Preise ermöglicht.

Was kann man hier für Wissensarbeit ableiten? Immer dann, wenn Produkte oder Dienstleistungen in Märkten vergleichbar werden und Unterschiede keinen Mehrwert mehr bieten, sind Unternehmen gezwungen, Preisführerschaft anzustreben. Das Ziel, Preisführerschaft anzustreben, hat dann immer die Reduktion der Variabilität zur Folge und dem Bestreben nach höchster Effizienz. Wissensarbeit wird hier industrialisiert indem die Aufgaben in höchstens noch wissens-basierte Tätigkeiten zerlegt werden und an möglichst preisgünstige Mitarbeiter oder Lieferanten zur Bearbeitung gegeben werden.

Jeder Wissensarbeiter muss also ständig prüfen, inwieweit die Produkte oder Dienstleistungen seines Arbeitgebers leicht vergleichbar sind und dem Kunden kaum noch Mehrwert bringen. Ein Unternehmen und natürlich auch jeder Arbeitnehmer muss das machen, was Harold Jarche in seinem Blog beschreibt: „to rarefy„. Denn eines ist klar, wie David St-Lawrence sagt:

Being a commodity is inevitably dehumanizing, no matter how much they pay you.

»

  1. […] Trend zur Aldisierung ist nach wie vor in Takt. Prozesse zu standardisieren und damit effizient zu machen ist prima. […]

  2. […] persönlich glaube, dass es eben nicht wenige Firmen sind, die dazu neigen, jede Arbeit zu aldisieren und somit ihre besten Wissensarbeiter verlieren. Firmen wie Google, 3M oder Gore haben hier […]

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