In meinem Artikel Wissenslücken und Komplexität – ein einfacher aber meist ignorierter Zusammenhang habe ich aufgezeigt, wie Wissenslücken in einem Projekt Komplexität verursachen.  Ich habe auch darauf hingewiesen, wie ungleich schwieriger es wird, wenn wir unserer Wissenslücken gar nicht bewusst sind, sozusagen ahnungslos vor uns hinarbeiten.

Matthias Bohlen hat mich auf einen wunderbaren Artikel von Dan North aufmerksam gemacht, der diesen Sachverhalt noch wesentlich genauer beschreibt: Introducing Deliberate Discovery. Dan North beschreibt hier wie die Ahnungslosigkeit (ignorance) verhindert, die eigentlichen Wissenslücken zu finden. Er empfiehlt dagegen ein bewusstes (deliberate) Entdecken dieser Wissenslücken. Diese Ahnungslosigkeit ist auch die grösste Hürde nicht nur für die Produktivität sondern vor allem für den Erfolg des ganzen Projektes.

So it’s not really learning that’s the constraint – it’s ignorance. More accurately, it’s ignorance about specific aspects of the problem at hand.“

Und weiter…

More insidiously, you are usually ignorant of how ignorant you are, and rather than making you more wary, this second-order ignorance actually makes you more likely to rush in like the proverbial fool.“

Dan North empfiehlt daher:

Surely it makes sense to invest effort in firstly discovering which aspects of delivery we are most critically ignorant of (i.e. both where we are ignorant and where that ignorance is hampering throughput), and further to invest in reducing that ignorance – deliberately discovering enough to relieve the constraint and allow us to proceed.“

In unserem Buch Software entwickeln mit Verstand – Was Sie über Wissensarbeit wissen müssen um Projekte produktiver zu machen haben wir einen generischen Wissensarbeitsprozess beschrieben, der aus den Phasen Exploration – Vision – Evolution besteht. Und genau in dieser Explorationsphase werden wir uns einerseits der wesentlichsten Wissenslücken bewusst und andererseits können wir auch die wichtigsten zumindest teilweise schliessen. Danach steht dann eine Vision, die nicht auf Vermutung gebaut ist, sondern die einen grossen Teil der Ahnungslosigkeit überwunden haben sollte. Es ist selbstredend, dass Exploration viel mit gezielten Experimenten (deliberate discovery)  und weniger mit dem Verfassen umfangreicher (Papier-) Konzepte zu tun hat. Hier gilt ganz besonders der Satz von Dan North:

Learning comes from experiencing the unexpected. As the saying goes: ‚Good judgement comes from experience. Experience comes from bad judgement.‚“

Also, in der Exploration das Unbekannte aufzustöbern und dabei Fehler zu machen ist hier essentiell für den Lernerfolg. Und Fehler machen wir, wenn wir uns auf unbekanntem Terrain bewegen und den Dingen auf den Grund gehen wollen. Das ist für Manager in der Effizienzfalle meist schwer zu verstehen, für den Projekterfolg aber unerlässlich. Wir lernen. Und Lernen ist für Wissensarbeiter wie das Blut für Vampire. Wir können nie genug davon bekommen.

»

  1. […] Thema Komplexität im Projekt habe ich bereits hier schon einmal thematisiert und hier noch etwas weiter ausgeführt. Für Projektmanager ist und bleibt das Beherrschen der Komplexität […]

  2. […] zu bringen um so eine Lösung zu finden, die alle relevanten Aspekte berücksichtigt. Im Artikel Wissenslücken und Ahnungslosigkeit – eine teuflische Kombination für Projekte habe ich die Problematik des oft fehlenden gemeinsamen Problemlösens noch weiter […]

  3. […] Am zweiten Tag startete dann die Konferenz mit einer Keynote von Jens Coldewey zum Thema Behandlung von Produkten als Projekte. In den verschiedenen Tracks über Anforderungen, Lean/Agile, Technik-Trends sowie Führung und Kommunikation gab es immer wieder erhellende Vorträge. Mein Vortrag mit dem Titel Softwareentwicklung mit Verstand schloss nahtlos an die Aussagen von Alistair Cockburn an: Softwareentwicklung ist Wissensarbeit und bei Wissensarbeit müssen die handelnden Akteure auf dem Weg zur Lösungsfindung alle vorhanden und sich neu ergebenden Wissenslücken schliessen. Ich habe das bereits ausführlich hier im Blog beschrieben. […]

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