Im Blog von Bernd Geropp habe ich schon vor längerer Zeit einen sehr gut geschriebenen Artikel über die Illusion der Motivationssteigerung durch Boni gelesen. Heute habe ich wieder einmal dort hineingeschaut und kann es mir es nicht verkneifen, auf diesen Irrsinn ebenfalls hinzuweisen. Dazu ein paar Zitate aus Bernd Geropps Artikel:

Ich finde es erstaunlich, dass Unternehmen glauben, ihre Mitarbeiter motivieren zu müssen, damit diese im Sinne des Unternehmens handeln. Für die Erbringung dieser Leistung hat sich der Mitarbeiter doch in seinem Arbeitsvertrag verpflichtet und das Unternehmen zahlt ihm dafür sein Gehalt, oder?

Sobald das eigene Gehalt von Zielen abhängig gemacht wird, sind die meisten Menschen nicht mehr motiviert über anspruchsvolle Ziele auch nur nachzudenken. Ich kann es ihnen nicht verdenken. Es ist schließlich nicht in ihrem Sinne. Es verstößt sogar gegen ihre ureigenen Interessen.“

Was läuft da nun falsch? Welches Denkmodell sitz immer noch in den Köpfen der allermeisten Manager? Es ist das Modell einer Maschine, deren Elemente = Mitarbeiter linear zum Gesamterfolg des Unternehmens beitragen.

Wenn jedes Element den aus seiner Sicht optimalen Beitrag leistet, dann ist auch das Gesamtergebnis optimal. Stimmt, falls die Mitarbeiter nie zusammenarbeiten müssen, sondern jeder isoliert für sich allein seinen besten Beitrag liefert und die Arbeit eher den Charakter von Routinearbeit hat (dazu ubedingt den Talk von Dan Pink ansehen!).

Sowohl individuelles als auch besonders kollaboratives Problemlösen ist alles andere als ein klar strukturierter Arbeitsprozess. Es ist ein Prozess, der alle Eigenschaften nicht-linearen Verhaltens in sich vereint wie wechselseitige Kommunikation zwischen den Mitarbeitern sowie sprunghafte Fortschrittsentwicklung.

Daraus resultiert sogenanntes emergentes Verhalten des Systems. Das ist alles andere als linear!

Damit kann man sich jetzt gut vorstellen, dass bei Wissensarbeit im Team die Einzel-Incentivierung natürlich alles andere als förderlich für kollaboratives Problemlösen ist.

Zusammengefasst: Boni sollen Mitarbeiter dazu motivieren unternehmerisch zu handeln. Das passiert auch tatsächlich. Und zwar immer. Allerdings im Sinne des Ein-Mann-Unternehmens mit dem Ziel „Gehaltsoptimierung“ des Mitarbeiters und nicht im Sinne anspruchsvoller Ziele des gesamten Unternehmens.

Eine Antwort »

  1. Ivo Ruckstuhl sagt:

    Es gibt verschiedene Arten der Zusammenarbeit: „pooled“, „sequential“ und „reciprocal“. Teamarbeit entspricht „reciprocal“.
    Teamarbeit ist aber nicht in allen Domänen und in allen Abteilungen sinnvoll. Teams sollen und müssen dort eingesetzt werden, wo es um komplexe Problemlösungen geht. Anderenorts sind sie zu teuer (und sollten deshalb vermieden werden).

    Incentives bestehen nicht nur aus Boni. Incentives sind auch Ansehen, Anerkennung, Reputation, Karrierechancen, spannende nächste Projekte, gratis Kaffee usw.
    Demzufolge bieten alle Firmen Incentives. Die Frage ist nur, ob sie den Zielen gut dienen.

    Ein wichtiger Punkt ist die grundlegende Fairness. Personen, die viel beitragen sollten auch entsprechend belohnt werden. Nichts kann demotivierender sein als Unfairness. Gerade die besten Leute werden sonst die Firma verlassen.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s