Collaboration_grafikWenn wir heute Artikel über Enterprise Collaboration lesen oder mit Beratern über dieses Thema sprechen, dann ist fast alles, was im Unternehmen heute stattfindet „Collaboration“. Mit dieser starken Vereinfachung ist es allerdings eher schwierig, sich grundlegend damit zu beschäftigen, wie Wissensarbeit im Unternehmen produktiver gestaltet werden kann. Harold Jarche hat in seinem Blog eine Differenzierung beschrieben, die ich persönlich sehr sinnvoll finde: Coordination, Collaboration, Cooperation:

  • collaboration means ‘working together’. That’s why you see it in market economies. markets are based on quantity and mass.“
  • cooperation means ’sharing’. That’s why you see it in networks. In networks, the nature of the connection is important; it is not simply about quantity and mass …“
  • „…collaboration happens around some kind of plan or structure, while cooperation presumes the freedom of individuals to join and participate. He (Jérôme Delacroix) also says that cooperation, not collaboration, is a driver of creativity.“
Coordination benötigt es vor allem dann, wenn einfache Arbeiten abgestimmt werden müssen, z.B. wer macht was bis wann.

Besonders interessant im Artikel von Harold Jarche finde ich den Zusammenhang zum Cynefin Framework von Dave Snowden.
  • simple – Coordination – Gemeinsames Problemlösen findet kaum statt höchstens zur Aufteilung der Arbeiten. Die Arbeit an sicd ist hochgradig arbeitsteilig. Tools dienen z.B. zum sequentiellen Bearbeiten von Dokumenten, auch Kalender, Tasklisten oder Terminpläne unterstützen klare Prozesse für die Zusammenarbeit.
  • complicated – Collaboration – Gemeinsames Problemlösen im Team findet z.B. für die Strukturierung des Problems statt, die Auswahl vorhandener Lösungsmöglichkeiten, die optimale Aufteilung der Arbeiten oder für Reviews der Resultate. Die Tools sind ähnlich wie oben, dazu kommen noch Diskussionsplattformen für verteilte Teams als wichtige Unterstützung beim gemeinsamen Problemlösen sowie bei arbeitsteiligen Aufgaben.
  • complex – Cooperation – Gemeinsames Problemlösen im Team und unter Beizug von Informationen weiterer Personen des Netzwerks (innerhalb oder auch ausserhalb des Unternehmens), Erarbeiten von Lösungsvorschlägen. Für die Lösung ist ein tieferes Verständnis des Problems notwendig, Durchdringen oder sinnvolle Reduktion der Komplexität des Problems sowie Teilen von Wissen. Tools für Diskussionen sind notwendig, die evtl. auch über die Unternehmensgrenzen hinausgehen, gute Unterstützung zum einfachen Teilen von Information wichtig, idealerweise sind die Tools Multi-Device fähig. Selbstverständlich benötigt die Lösung komplexer Probleme nicht nur ausschliesslich Cooperation, sondern auch Collaboration und Coordination. Aber Cooperation kann zum entscheidenden Faktor für ein erfolgreiches komplexes Projekt werden.

Interessant ist auch ein Vergleich älterer Publikationen, die noch aus der Groupware-Ära stammen wie z.B. von Keith Thompson. Hier fehlt die Betrachtung von Cooperation vollständig. Das Zusammenarbeitsmodell bei Groupware wie z.B. Lotus Notes war klar auf Coordination und Collaboration ausgelegt. Cooperation im Sinne von Inhalte teilen und an Diskussionen teilnehmen ohne direkt im Projekt involviert zu sein benötigt andere Tools wie z.B. Enterprise Social Networks.

Fazit: Die Analyse der Problemstellung mit dem Cynefin Framework erlaubt nicht nur eine bessere Auswahl des Arbeits- bzw. Problemlöseprozesses, also z.B. eher linear oder iterativ und inkrementell, sondern auch die Bestimmung des für den Erfolg entscheidenden Zusammenarbeitsmodells: Coordination, Collaboration oder Cooperation.

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  1. […] Wenn wir heute Artikel über Enterprise Collaboration lesen oder mit Beratern über dieses Thema sprechen, dann ist fast alles, was im Unternehmen heute stattfindet “Collaboration”. Mit dieser starken Vereinfachung ist es allerdings eher schwierig, sich grundlegend damit zu beschäftigen, wie Wissensarbeit im Unternehmen produktiver gestaltet werden kann. Harold Jarche hat in seinem Blog eine Differenzierung beschrieben, die ich persönlich sehr sinnvoll finde: Coordination, Collaboration, Cooperation.  […]

  2. […] Wissensarbeit – drei unterschiedliche Zusammenarbeitsmodelle: Coordination, Collaboration, Coopera… “collaboration means ‘working together’. That’s why you see it in market economies. markets are based on quantity and mass.” “cooperation means ’sharing’. That’s why you see it in networks. In networks, the nature of the connection is important; it is not simply about quantity and mass …” “…collaboration happens around some kind of plan or structure, while cooperation presumes the freedom of individuals to join and participate. He (Jérôme Delacroix) also says that cooperation, not collaboration, is a driver of creativity.” […]

  3. Kurze Frage: Warum wird „complicated“ mit „collaboration“, und „complex“ mit „cooperation“ gleichgesetzt? Für mich war bislang die Zuordnung genau umgekehrt. Im verlinkten Artikel habe ich dazu leider nichts gefunden. VG

    • wissensarbeiter sagt:

      Danke für die interessante Frage. Die Tabelle verstehe ich so, dass für komplexe Problemstellungen collaboration meist alleine nicht ausreicht und zusätzlich cooperation notwendig ist. Mit cooperation ist das Anzapfen zusätzlicher Wissensträger ausserhalb des eigentlichen Teams gemeint. Cooperation ist das Teilen von Information idealerweise auf freiwilliger Basis durch Personen im Netzwerk innerhslb oder auch ausserhalb der Organisation. Bei komplizierten Problemstellungen, die gemäss Cynefin Modell durch eine gute Analyse gelöst werden können, sollte das Team mit guter collaboration – also intensiver Zusammenarbeit – eine passende Lösung finden.

  4. xandl11 sagt:

    ist (fast) das aus dem CSCW Umfeld seit 1995 bekannte 3K Modell von Teufel (Kommunikation, Koordination und Kooperation). (http://www.rppr.de/infopool/groupware/node12.html)

    • wissensarbeiter sagt:

      Danke für den interessanten Hinweis.
      Die Begrifflichkeiten haben sich allerdings ziemlich geändert. Gerade bei Kooperation sehe ich grosse Unterschiede zwischen dem 3K Modell und der Sichtweise von Harold Jarche. Er sieht cooperation stark verbunden mit sharing, also dem freiwilligen Teilen von Information, die ein wichtiger Input für Innovation sein können. Im 3K Modell ist bei Kooperation die grosse Übereinstimmung der Ziele sowie der gemeinsamen Verantwortung für das Resultat entscheidend. Das ist bei Harold Jarche eher Kollaboration.

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