Knowledge_Learning_smallDie Zeitschrift Wissensmanagement hat im April 2015 zusammen mit dem „Steinbeis-Beratungszentrum Wissensmanagement“ in Stuttgart die Wissensmanagement Umfrage 2015 durchgeführt. Über 400 Unternehmen verschiedenster Grösse wurden befragt und gaben ihre Antworten ab. Auf der News-Seite von wissensmanagement.net kann man eine Zusammenfassung lesen und ein Auszug der Studie mit den wichtigsten Zahlen und Ergebnissen per Email anfordern. Die vollständige Studie ist kostenpflichtig (EUR 99.00)

Die Ergebnisse sind einerseits bemerkenswert – immerhin schreiben wir das Jahr 2015 – andererseits hätte ich auch nichts anderes erwartet. Sehr typisch für die meisten Unternehmen ist es nach wie vor, dass sich Mitarbeiter die für ihre Arbeit notwendigen Informationen persönlich durch Gespräche oder ausserhalb des Unternehmens im Internet beschaffen. Auch für die Kommunikation im Unternehmen sind für den Austausch von Informationen die klassischen Mittel wie Meetings, Email oder Telefon immer noch die beliebtesten. Allerdings kommt auch klar unter den befragten Unternehmen heraus, dass die Erwartungshaltung eine ganz andere ist. Wissensmanagement muss wesentlich mehr können als bisher in den Unternehmen angekommen ist.

Ein Hinweis, warum die Erwartungshaltung meist enttäuscht wird ist die Tatsache, dass Wissenssicherung und Wissenstransfer für die Unternehmen sehr wichtig ist und sie nicht wissen, wie sie das angehen sollen. Erwartet wird offensichtlich, dass Wissensmanagement Methoden und Werkzeuge zur Verfügung stellt, die Wissenssicherung, also das Speichern von Wissen ausserhalb der Köpfe der Mitarbeiter und Wissenstransfer, also der Übertragung von Wissen von einem Mitarbeiter zum andern, einfach möglich machen. Wie die Theorie und selbstverständlich auch die langjährige Praxis zeigt, ist das überhaupt nicht realistisch. Die meisten Methoden und Werkzeuge im Wissensmanagement erschöpfen sich mit der Bereitstellung von Informationen. Der Lernprozess bei der Wissensaneignung wird leider immer noch völlig ausgeblendet. Wissen wird leider immer noch als speicherbare und übertragbare Ressource angesehen, die in irgendeiner Form für das Unternehmen gesichert oder von einer Person zur anderen transferiert werden kann wenn das Wissensmanagement nur endlich die richtigen Methoden und Werkzeuge bereitstellen würde. Dieser Wunsch  ist und bleibt unerfüllbar. Was wir tun können, ist Informationen allen Mitarbeitern zur Verfügung stellen, diese leicht auffindbar machen und von unterschiedlichen Endgeräten aus den Zugriff ermöglichen. Wenn das funktioniert, ist schon mal sehr viel gewonnen. Wichtig ist hier zu betonen, dass Informationen, die vom Empfänger ohne Lernprozess aufgenommen und verarbeitet werden können, einen Informationsaustausch ermöglichen aber weder Wissenssicherung noch Wissenstransfer darstellen. Ein Mindmap, das ein Mitarbeiter zu einem bestimmten Thema erstellt hat, ist deshalb auch nur als Information zu betrachten. Wenn ein anderer Mitarbeiter sich dieses Mindmap anschaut und im Idealfall mit dem Ersteller bespricht, dann besteht die Möglichkeit, dass der Betrachter zum Beispiel neue Zusammenhänge erlernt und dadurch einen Sachverhalt mit grösserer Tiefe versteht. Dieser Lernprozess ist der Kern von Wissensmanagement und nicht das Bereitstellen einer Mindmap.
Wenn wir den Wissensaustausch verbessern wollen, müssen wir das Lernen in den Vordergrund stellen und nicht Wissen als Ressource analog zu Information betrachten. Diese Lernprozesse im Unternehmen zu ermöglichen und permanent zu verbessern sollte der Kern einer Wissensmanagementstrategie sein. Wie so etwas aussehen kann, werde ich in einem der nächsten Artikel beschreiben.

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  1. Thomas Michl sagt:

    Hat dies auf Toms Gedankenblog rebloggt und kommentierte:
    Immer wieder interessanter Blog:

  2. Dirk Rosenkranz sagt:

    Hi Thomas,

    spannendes Thema und auch gerade eine meiner Baustellen. Sehr wichtig finde ich den Hinweis auf das Lernen und nicht nur bereitstellen von Informationen!

    Würde ich gerne mal mit Dir weiter diskutieren.

    Viele Grüße Dirk

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