Im Vortrag an der SEACON 2012 in Hamburg haben wir gezeigt, welche drei Wissensarten für Teams wichtig sind, um produktiv zu sein. Ich möchte diesen wichtigen Aspekt hier noch einmal aufgreifen und neben Hinweisen zu Literatur ein paar Details dazu erklären. In einem sehr ausführlichen wissensschaftlichen Artikel mit dem Titel Enhancing the Effectiveness of Work Groups and Teams von Steve W.J. Kozlowski und Daniel R. Ilgen von der Michigan State University aus dem Jahre 2006 werden zwei der wesentlichen Wissensarten  beschrieben: common mental model und transactive memory. Ich möchte hier noch das individuelle Wissen der Teammitglieder hinzufügen. Damit besteht das für die Produktivität eines Teams entscheidende Wissen aus drei Komponenten:

Das individuelle Wissen ist das Wissen jedes einzelnen Mitarbeiters im Team. Selbstverständlich muss das Team mit dem Wissen jedes Einzelnen möglichst viele Wissensgebiete eines Projektes zumindest teilweise abdecken. Das transaktive Gedächtnis (transactive memory) beinhaltet das Wissen der Teammitglieder über die Fähigkeiten untereinander. Dieses Wissen spielt bei der Zusammenarbeit im Team eine große Rolle, da es sowohl für die Verteilung der Arbeiten als auch für den Wissensaustausch von grosser Bedeutung ist, Das gemeinsame mentale Modell (common mental model) umfasst das allen Mitarbeitern gemeinsame Wissen über Werte, Ziele des Projektes, Strukturen in der Organisation aber auch zum Beispiel über die Softwarearchitektur der Applikation, die das Team entwickelt.

Besonders das transaktive Gedächtnis und das gemeinsame mentale Modell sind umso wichtiger, je innovativere Lösungen das Team suchen muss und je agiler somit das Team vorgehen muss. Diesen Zusammenhang habe ich auch an der interPM 2012 vorgestellt. Daher bin ich der Meinung, dass die Bestrebungen von einzelnen Unternehmen, einen grösseren Teil der Softwareentwicklung über Portale an Freelancer auszuschreiben um so die Kosten deutlich zu senken, auch Grenzen hat. Ich glaube, nur die sehr einfach in kleine überschaubare Arbeitspakete zu zerlegenden Projekte können so realisiert werden. Das sind dann eher die langweiligen Aufgaben. Alles wirklich Innovative braucht Teams, die über alle drei Wissensarten in Perfektion verfügen und ständig weiterentwickeln.

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  1. Gerade das transaktive Gedächtnis kann mittels geeigneter Methoden erweitert werden, indem das versteckte Wissen den anderen Mitgliedern enthüllt wird und sie dann darauf bauen können. Eine mögliche Methode ist die Theorie U von Otto Scharmer MIT. (http://www.ottoscharmer.com/ ) Diese Methode muss jedoch der Situation angepasst werden und dient vorwiegend dem Moderator als Hilfe und Leitlinie.

    • wissensarbeiter sagt:

      Hallo Michael
      Danke für diesen Hinweis. Die Theorie U muss ich mir mal näher ansehen. Leider ist es ja oft so, dass diejenigen, die am wenigsten mit ihrem Wissen prahlen, oft über sehr viel und wichtges implizites Wissen verfügen. Dieses sichtbar zu machen und somit in Projekten in der Person des Wissensträgers auch einsetzbar zu machen, ist für den Erfolg eines wissensbasierten Unternehmens äusserst wichtig.
      Gruss,
      Jörg

  2. […] kann eine Sofaecke sein oder auch ein Meetingraum. Wichtig sind Möglichkeiten um das gemeinsame mentale Modell der Problemstellung sowie möglicher Lösungen für alle permanent sichtbar zu haben. Das kann zu […]

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